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Das Werner-Rennen 2018

Vor über einem Jahr hatte ich die Ankündigung gehört, dass es zum 30-Jährigen-Jubiläiums des legendären Werner-Rennens von 1988 eine Neuauflage geben wird. Direkt mit dem Vorverkaufsstart hatte ich Tickets für das Wochenende gekauft. Vier Tage Motorsport, Musik und Dosenbier: Klingt nach einem Plan.

Als Frühbucher konnte ein Wohnmobilstellplatz inkl. Stromanschluss für jeden beliebigen Campingbereich gebucht werden. Ich hatte mich für Das Holgi Fancamp entschieden, da es von der Beschreibung her das Ruhigste zu sein schien. Später gab es dann die Nachricht, dass der Bereich nicht für Wohnmobile vorgesehen sei und ich wir stattdessen auf den umbuchen Nobelacker sollten. Dieser wurde später noch einmal in „Meine Scholle“ mit den Parzellentypen A (8x6m) und B (10x6m) umbenannt. Über die Webseite musste ein Umtauschticket erstellt werden und dabei konnte nur bis Parzelle A ausgewählt werden. 7,50m Wohnmobil und 8m Parzelle: irgendwie muss das funktionieren.

Am Mittwochnachmittag waren wir in Richtung Lüneburg aufgebrochen, um dort zu übernachten, damit wir am Donnerstag „nur noch“ an Hamburg vorbei mussten. Illegal 2001 spielten um 15:00 Uhr und anstatt wie ursprünglich angekündigt öffneten die Campingbereiche nicht um 14:30 Uhr sondern bereits um 10:00 Uhr. Das war der Plan in der Theorie.

…und nun kommen wir zur Praxis: Statt um 7:30 Uhr waren wir erst um 9:00 Uhr in Lüneburg losgefahren. Von dort aus ging es zunächst nach Garstedt zu einem großen Supermarkt, um Verpflegung für das Wochenende zu kaufen. Anschließend war natürlich rund um den Elbtunnel wie erwartet Stau. Motorradfahrer sollten in Kaltenkirchen von der A7 abfahren. PKWs, Wohnmobile und Caravans sollten bis Neumünster Süd fahren. Der Anweisung haben wir Folge geleistet und die ersten Kilometer nach der Autobahn lief der Verkehr noch flüssig. Irgendwann jedoch begann der Rückstau von der Zufahrt zu den Campingbereichen.

Das war ein Rückstau von über 13km! Vom Stauende bis zum Stellplatz hatte es viereinhalb Stunden (sic!) gedauert, weshalb wir Illegal 2001 und Lotto King Karl verpasst hatten. Dafür hatten wir bereits im Stau unsere späteren Stellplatznachbarn kennengelernt und freundliche Anrainer hatten meinen Nachmittag gerettet, indem sie Bockwürste vor ihrem Haus verkauften und ich so noch zu einem verspäteten Mittagessen kam. Außerdem hatte es während der Anfahrt noch ordentlich angefangen zu regnen und das letzte Stück vor dem Campinggelände führte über einen Waldweg. So viel Matsch und Dreck hatte das Wohnmobil vorher noch nicht gesehen.

„Gleich da“ hieß: Ein Fußmarsch von 20 Minuten

Ich hatte die Karten gekauft und auch den Umtausch auf den Parzellentyp A gemacht. Während des Staus erklärt mir mein Bruder, dass unser WoMo inkl. Fahrradträger aber 8,10 Meter lang sei. Als wir den Einweisern mitgeteilt hatten, dass unser WoMo länger als 8 Meter sei, wurden wir kurzerhand in den Bereich mit dem Parzellentyp B geschickt. Daheim im Rhein-Main-Gebiet waren wir in diesem Sommer eine extreme Trockenheit und Dürre gewohnt, hier aber war unser Wohnmobilstellplatz auf einer saftig grünen Wiese mit ca. 20cm hohem Gras. Der erste Gedanke war: Die hätten ruhig mal mähen können. War aber kein echtes Problem, denn nach zwei Tagen hatten wir das Gras soweit plattgetrampelt, so dass das ursprünglich hochgewachsene Gras nicht mehr gestört hat.

Unser „Meine Scholle“-Bereich war zwar mit am weitesten Weg vom Flugplatz und dem Festivalgelände, aber dafür hatten wir eine angenehme Nachbarschaft. Vom Stellplatz bis zur Kesseldrom-Bühne auf dem Festivalgelände waren es über zwei Kilometer Fußmarsch.

Auf dem Gelände gab es zwar Sanitärcontainer mit vernünftigen Toiletten und auch Duschen, aber die waren ca. 20 Minuten Fußweg von uns entfernt (den Stewarts und Security Mitarbeitern erging es ähnlich, da deren Basis direkt an unseren Campingbereich angrenzte). Von daher war das ganze Wochenende Katzenwäsche angesagt, da der Frischwassertank für vier Tage für zwei Personen reichen musste.

In der unmittelbaren Nähe des Stellplatzes waren jedoch drei Bataillone Dixi-Klos. Nachts war die Benutzung grenzwertig aber tagsüber konnte der Zeitpunkt abgewartet werden, an dem die Reinigung dort war. Trotz Reinigung machen Dixies keinen Spaß! Aber in der Not nimmt man auch ein Dixie Klo. Im Laufe des Tages wurden die Kabinen im 4 bis 6-Stunden-Takt gereinigt und das machte die Sache einigermaßen erträglich. Ich sage nur: First in line…

Der Bereich um unseren Standpaltz war cool. Mit den Nachbarn hatten wir öfters zusammengesessen und auch ein paar Plätze weiter hatten sich die direkten Nachbarn von 3-4 Stellplätzen öfters zusammengetan. So ein Event/Happening lebt auch davon, dass gemeinsam gegrillt, gegessen und getrunken wird. Bei uns hatten sich mehrere Stellplätze zusammengetan und wir hatten sehr viel Spaß. Beim Camping wie zuhause gilt einfach die Regel: Der Wohlfühlfaktor hängt von der Nachbarschaft ab, da man tagsüber, bevor die Bands loslegen und die interessanten Motorsport-Events auf dem Festivalgelände beginnen, auf dem Campingplatz gemeinsam abhängt.

Unser Bereich war sehr angenehm. Die Party abends ging bis maximal 1-2 Uhr und morgens um sechs Uhr waren die Kühe auf der benachbarten Weide am Lautesten… abgesehen von der Nacht von Samstag auf Sonntag. Da hatte ein Honk auf dem benachbarten Breite Masse-Camp gemeint, die ganze Nacht sein Motorrad bis zum Drehzahlbegrenzer aufheulen zu lassen. Mein Eindruck war: Je näher der Stellplatz am Festivalgelände war, je weniger war eine ruhige Nacht zu denken.

So viel zu den äußeren Umstände. Wie gesagt, waren es von unserem Stellplatz 20-30 Minuten bis zum Festivalgelände. Den Weg sind wir teilweise mehrfach gegangen, je nachdem welche Bands spielten und welche Motorsport-Veranstaltungen waren. Viertelmeilenrennen, Stock Car, Rasenmäherrennen, MotoCross, etc. – da war immer Benzin in der Luft.

Wir waren neben den Rennen vor allem vor der größten Bühne, dem Kessel-Drom (Name der Hauptbühne). Dort war Platz für ca. 10.000 Leute und wir standen meist hinter den hinteren Boxen zwischen den Getränkeständen. Dort war Platz, um am Leben gelassen zu werden, der Sound war gut und man konnte die Bands sowohl auf den Videoleinwänden sehen als auch direkt auf der Bühne. Die Standardanzeige von o2 war „kein Netz“ und somit mussten wir uns wie früher irgendwie verabreden und die Ecke war immer ein guter Treffpunkt, wo man sich auch gut wiederfinden konnte.

Bei den Bands auf der Hauptbühne waren wie vor 30 Jahren (ich war damals natürlich nicht dabei) BAP und Roger Chapman am Start. Fisher Z hatte ich leider verpasst. Torfrock durften nicht fehlen und sie traten insgesamt drei Mal auf. Ein Highlight war auch: Otto und die Friesenjungs. Die Setlist war identisch mit dem Auftritt beim Wacken, aber trotzdem hatte der alte Blödebarde die Arena gerockt.

Mein persönliches Hightlight war der Auftritt von Fury in the slaughterhouse. Die Band verfolge ich seit dem „Jau!“-Album und mit den Videos im Hintergrund ist ihr Song „Every Generation got it‘s own disease“ aktueller denn je.

Abgesehen von der offiziellen Veranstaltung wäre alleine die Party auf den Campingplätzen schon einen Besuch wert. Was dort an Fahrzeugen stand und herumfuhr, war mitunter mehr als ein einfacher Hingucker. Z.B. fuhr immer wieder ein überdimensionaler Autoscooter mit Elektroantrieb über das Gelände. Eigentlich war das ganze Gelände voll mit kreativ augebauten fahrbaren Untersätzen.

Schon vor Ort machten an dem Wochenende Gerüchte die Runde, dass es im nächsten Jahr eine ähnliche Veranstaltung geben soll. Dieses Jahr stand das Event wegen des Kultcharakters und der ersten Ausrichtung nach 30 Jahren noch unter Welpenschutz. Probleme gab es – soweit wir es mitbekommen hatten – vor allem in zwei Campingbereichen mit der Stromversorgung. Dort haben Leute Stromtickets bezahlt und das ganze Wochenende gab es aber keinen Strom, sodass die Stromkosten erstattet wurden.

Die Veranstalter werden bestimmt eine ganze Menge beim „Lessons learned“ zu diskutieren haben, aber ich sehe da keine unüberwindbaren Hindernisse. Wie erwähnt muss die zugesagte Stromversorgung besser werden und mehr vernünftige Sanitärcontainer wären wünschenswert. Da die Organisation bzw. zumindest das Personal mit Wacken verknüpft ist (Stewards, Security, Müllabfuhr, etc. hatten alle Wacken-Warnwesten an), macht es Sinn im Norden ein weiteres Festival mit Fokus auf Hard Rock/Motorsport anstatt Metal zu etablieren. Der Termin, der für nächstes Jahr in der Gerüchteküche kursiert, ist schon notiert.

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